Helden des Alltags: Hut und Stiel

Helden des Alltags: Hut und Stiel



Helden des Alltags sind für uns Menschen, denen Nachhaltigkeit und Umwelt nicht nur wichtig sind, sondern sie auch leben. Damit beeinflussen sie unseren Alltag und machen die Welt mit ihrer Idee ein kleines bisschen besser. Darum stellen wir dir heute die zwei Jungs von Hut und Stiel vor: Sie haben sich mit der nachhaltigen Verarbeitung von Kaffeesatz für die Zucht von köstlichen Speisepilzen auseinander gesetzt!

 

Wer oder was steckt hinter Hut & Stiel?

Hut und Stiel

Zu Beginn wollen wir dir eine Frage stellen: Wenn du an einen Keller denkst, wohin führen dich deine ersten Gedanken? Spinnen wir das Gedankenexperiment weiter: In dem besagten Keller hängen von geführten Schienen unzählige, schwarze Plastiksäcke und es riecht …  komisch. Bevor sich deine Gedanken in ein Horrorszenario verabschieden, beruhigen wir dich: Hierbei handelt es sich nicht um den nächsten blutigen Thriller á la Hollywood. Es geht um die Vision der beiden Gründer Florian Hofer und Manuel Bornbaum. Die beiden hatten sich im Rahmen eines Uni-Projekts erstmals Gedanken zu Hut und Stiel gemacht. Mittlerweile produzieren die beiden in einem angemieteten Keller die feinsten Gourmetpilze Wiens!

 

Was haben feuchte Keller und die Wiener Kaffeehauskultur gemeinsam?

Hut und Stiel

Quelle: facebook.com/hutundstiel/

Sowohl die weltweit berühmte Wiener Kaffeehauskultur als auch die feuchten Keller Wiens bilden die Basis für die gezüchteten Limonenseitlinge und Austernpilze. Täglich werden 772.000 Liter Kaffee in Wien konsumiert und gut 44 Tonnen Kaffeesud verbraucht. Denn insgesamt landet nur 1% des Kaffees in der Tasse. Ein Teil des Kaffeesatzes wird direkt aus den verschiedenen Kaffeehäusern, Restaurants, Hotels und Pensionistenheimen zur Pilz-Zuchtstätte geliefert. Einen anderen Teil holen Florian und Manuel persönlich mit dem Lastenfahrrad ab. Somit versuchen sie nachhaltig, so viel Kaffeesud wie möglich vor der Entsorgung zu bewahren.

 

Wie funktioniert die Züchtung überhaupt?

Hut und Stiel

Quelle: hutundstiel.at/

So sieht der Prozess des liebevoll betitelten “Schwammerl-Kreislauf” aus: Eine Kaffeemaschine mahlt die Kaffeebohne, aus welcher der frisch gebrühte Kaffee und das Abfallprodukt Kaffeesatz entstehen. Der Kaffeesatz wird von Manuel und Florian mit Pilzmyzel, Kaffeehäutchen, Wasser sowie etwas Kalk versetzt. Fertig ist das Pilz-Substrat, das jetzt in Plastiksäcken abgefüllt wird und vor sich hin arbeiten darf.

Nach drei Wochen bilden sich die ersten Fruchtkörper. Danach werden im “Fruchtungsraum” Löcher in die Plastiksäcke geschnitten, um den Pilzen Platz zum Entfalten und Wachsen zu lassen. Auf die Frage nach einer plastikfreien Möglichkeit des Anbaus argumentiert uns Manuel folgendermaßen: “Wir sind aktuell auf der Suche nach einer nachhaltigeren Alternative, verwenden aber jeden Pilzsack mindestens 3 Mal. Erst dann entsorgen wir ihn. Bis jetzt haben wir leider noch keine vergleichbare Möglichkeit gefunden.”

 

Was passiert dann? Wie sehen die fertigen Pilze aus?

Hut und Stiel

Quelle: facebook.com/hutundstiel/

Wenn du nun noch wissen willst, wie die Gourmetpilze aussehen, beschreiben wir das mit einem Wort: Gewaltig! Nachdem die Pilz-Säcke tagtäglich mit einem Luftbefeuchter, nun ja, befeuchtet werden und damit das Wachstum angekurbelt wird, sind die ersten Pilze innerhalb von wenigen Tagen zur Ernte bereit.

Aus dem entstandenen Abfallsubstrat entsteht dann wieder Hummuserde, welche die Basis für zukünftige Kaffeepflanzen ist. “Diese Erde wird dann wieder für den Anbau der Kaffeebohne genutzt und der Kreislauf beginnt von vorne”, erklärt uns Manuel. In Summe können mit der Technik von Manuel & Florian rund 800 kg Kaffeesud recycelt und 100 kg Pilze in der Woche geernet werden. “Wir platzen aus allen Nähten”, muss Manuel bei der Ernte schmunzeln. Somit vergehen zwischen der ersten Lieferung bzw. Abholung des Kaffeesuds bis zur ersten Pilzernte nur etwa 5 Wochen. Es bestätigt das bekannte Wiener Sprichwort “wie die Schwammerl wachsen”.

 

Wo gibt es die Wiener Schwammerl von “Hut und Stiel”?

Hut und Stiel

Bist du auch auf den Genuss der Schwammerl made in Vienna gekommen? Dann stille deinen Gusto direkt in einem ihrer “Hut und Stiel”-Pilzzucht-Workshops oder Erlebnisführungen. Außerdem werden viele hochkarätige Restaurants mit den frisch geernteten Pilze beliefert und zu abwechslungsreichen Variationen weiterverarbeitet. Aber auch privat kannst du die Schwammerl genießen: Du bekommst 100 g der Ernte um je € 1,90, köstliche Aufstriche, g’schmackige Pestos und Sugos bei diversen Greißlereien als Food Coops. So viel Engagement erfreut das nachhaltige Herz: Kein Wunder also, dass “Hut und Stiel” 2016 von Publikum und Jury der Initiative Greenstart mit dem GREEN STAR 2016 ausgezeichnet worden sind.

 

Wir finden die Jungs von Hut und Stiel ebenfalls großartig und haben Appetit auf weitere nachhaltige Produkte made in Austria bekommen. Du willst mehr über “Hut und Stiel” wissen? Dann folge ihnen auf Facebook oder schau auf ihrer Website vorbei.

 



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