Heldin des Alltags: Interview mit Nunu Kaller & Gewinnspiel

Heldin des Alltags: Interview mit Nunu Kaller & Gewinnspiel



Im Mai 2015 haben wir ein Interview mit Nunu Kaller zu ihrem Projekt „Ich kauf nix“ geführt. Ein Buch und über ein Jahr später haben wir sie erneut gebeten, uns ein paar Fragen zu beantworten und freuen uns, ihr wieder einen Artikel in unserer Rubrik „HeldInnen des Alltags“ widmen zu können.

Nunu Kaller

Zuerst möchten wir dir sagen, wie schön es ist, dich wieder in unserer Reihe „Heldinnen des Alltags“ mit dabei zu haben. Das letzte Interview war im Mai 2015. Würdest du sagen, du und deine Einstellung haben sich seitdem stark weiter entwickelt? 

Ja und nein. Ich habe wiederum viel dazu gelernt und „alternativer“ Kleiderkonsum ist für mich zum Alltag geworden. Ich habe aber auch begonnen, mich mit anderen, weiteren Themen intensiv auseinanderzusetzen. Auf der einen – beruflichen – Seite beschäftige ich mich viel mit Plastik, von Mikroplastik über Polyesterrückstände bis hin zu Alltagswegwerfplastik wie Sackerl und Verpackungen. Auf der anderen – privaten – Seite bin ich über die Konsumpsychologie bei Body Positivity und dem Aufbrechen von klassischen Schönheitsidealen gelandet, da sich sehr viele Frauen Kleidung und Kosmetika kaufen, um sich „schöner“ zu fühlen – dabei sind sie es schon längst.

 

Wie geht es dir heute mit deinem geänderten Konsumverhalten?

Ganz wunderbar. Das Lustige ist, dass mein Kleiderschrank aufgrund der monatlich von mir veranstalteten Tauschparties im Freundinnenkreis derzeit wieder recht gut gefüllt ist, obwohl ich kein Nebenbei-Shopping mehr betreibe. Es macht mich in der Früh immer glücklich, wenn ich mir überlege, was ich da gerade anhabe – fair Produziertes, etwas von lokalen DesignerInnen, Second Hand, Selbstgenähtes – ich freue mich, zeigen zu können, dass man auch ohne textilschwedische Neukäufe gut ausschauen kann.

 

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Wie ist es für dich, durch eine Mall zu schlendern und ständig mit Produkten in Berührung zu kommen, bei denen du weißt, dass etwas an ihnen faul ist? 

Ganz ehrlich, ich seh das gar nicht mehr, ich hab diese „Verführer“ schon wirklich ausgeblendet. Natürlich passierts manchmal, dass mir etwas doch ins Auge sticht, aber auf die Idee, gleich in den Shop reinzugehen und es zu kaufen, komme ich nicht. Ich überlege mir, ob ich etwas Vergleichbares zuhause zusammenstellen kann oder wie ich so ein Teil in fair und öko bekommen könnte.

 

Du hast dein Einkaufsverhalten überdacht. Glaubst du, deine Veränderung hat auch dein Umfeld wie Freunde & Familie geprägt?

Freunde habe ich definitiv beeinflusst. Viele sagen mir inzwischen, wenn sie shoppen sind, bin ich in ihren Gedanken dabei und sie lassen dann ziemlich viel doch im Laden hängen. Dabei lege ich es gar nicht darauf an, ein kollektives schlechtes Gewissen zu sein (wie unattraktiv!), sondern möchte informieren. Für welches Einkaufsverhalten man sich entscheidet, liegt bei jeder Person selbst.

 

Nunu Kaller

 

Es ist schwierig, in seinem engsten Umkreis mit genau jenen Dingen konfrontiert zu werden, die einen so aufregen. Wie gehst du damit um, wenn z.B. eine gute Freundin von ihrem ausgiebigen Shopping-Trip bei Primark erzählt?

Es ist ihre Entscheidung. Ich bin nicht dazu da, die Leute zu erziehen, ich möchte nur zeigen, dass es anders auch geht. Dass Biofaire Mode weder zu teuer ist noch zu öko ausschaut und dass sich ein alternatives Konsumverhalten nicht nach Verzicht anfühlen muss, sondern auch Spaß machen kann – weil wenn eine Lebensstiländerung keinen Spaß macht, dann ist sie auch nicht von langer Dauer. Ich sag nur Diät und Yoyo-Effekt. Aber eine Primark-Haul-Shopperin hab ich zum Glück eh nicht im Freundeskreis, glaube ich…  Oder sie traut es sich nicht, es mir zu sagen…
Nein, ernsthaft, ich werde nicht müde, es zu betonen: Der Schalter, um das eigene Einkaufsverhalten umzustellen, liegt bei jedem woanders. Und jeder muss ihn auch selbst umlegen. Das geht von außen gar nicht, das muss intrinsisch passieren. Aber ich kann informieren, damit die Leute ihren Schalter leichter finden.

 

Du strebst danach, etwas zu verändern. Denkst du, dass dir deine jetzige Position als Konsumentensprecherin bei Greenpeace dabei hilft? 

Man muss immer bei sich selbst anfangen. Das versuche ich und auch mir gelingt es nicht immer. Ich bin beileibe keine Vorzeige-Öko, dazu verreise ich beispielsweise viel zu leidenschaftlich. Greenpeace ist eine tolle Organisation, die dazu beiträgt, Umweltschutzthemen weltweit zu positionieren und ich bin sehr stolz, Teil dieser NGO zu sein. Aber ich bewundere auch die vielen Start-ups, die es derzeit gibt und die Wirtschaft anders leben wollen. Die es besser machen wollen, die ökologisch und fair produzieren und auch miteinander fair umgehen. Es bewegt sich was. Ich habe meine Stärken in dieses Rennen geworfen und versuche, beizutragen.

 

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Es herrscht trotz erhöhter Berichterstattung immer noch ein großes Unbewusstsein seitens der Konsumenten im Bezug auf die Produktion ihrer Kleidung. Wie könnte man an einer besseren Transparenz arbeiten und kommunizieren? 

Bei Greenpeace tun wir das bereits, aber leider erreichen NGOs nur eine begrenzte Zielgruppe. Ich hoffe, dass es weiterhin immer wieder kreative Ansätze und Ideen gibt, auch andere Zielgruppen mit relevanter Information zu erreichen. In Österreich sind wir gesegnet mit Maddie von Dariadaria, die als hypererfolgreiche Bloggerin mit einer sehr jungen Zielgruppe konsequent ihren ökologischen Weg geht.
Transparenz ist eh schon ein sehr gutes Stichwort – ich bin überzeugt, wenn alle Modelabels ihre Produktion komplett offenlegen würden, gäbe es weitaus weniger Textilkonsum.

 

Was können wir alle tun, um etwas zur Veränderung beizutragen? Auf was können wir beim Kleiderkauf achten?

Erst gestern habe ich dazu mit meinem Chef diskutiert. Ich bin ein Fan der kleinen Schritte und er meint, mit kleinen Schritten landet man maximal in der Mitte. Sicherlich mag er damit recht haben, ich freu mich trotzdem bei „Otto NormalverbraucherInnen“ auch über kleine Schritte, wenn diese in die richtige Richtung führen. Was spezifischen Kleiderkonsum angeht, habe ich für mich die drei Fragen beim Shoppen entwickelt:

  • Brauch ich das wirklich? – Damit fallen schon viele Nebenbei-Käufe weg
  • Gefällt mir das wirklich, will ich das wirklich? (Oder gefällt es mir, weils runtergesetzt ist, oder weil es Größe 36 ist und ich seltsamerweise reinpasse?)
  • Passt mir das wirklich? – Das ist vor allem eine Frauensache. Hosen kaufen, in die man dann „mit fünf Kilo weniger“ reinpasst. Oder sich einen Rock kaufen, der farblich toll ist und dessen Schnitt gerade super trendig ist, aber der halt nicht so ganz passt am Popsch zum Beispiel.

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